Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

bei Schleiermacher

Berliner Theologen von Schleiermacher bis Marquardt jeden ersten Montag im Monat, 19.30 Uhr, Taubenstraße 3 (Ecke Glinkastraße), 10117 Berlin Mitte.  

Seit vielen Jahren betreibt die Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt einen Salon, den sie "bei Schleiermacher" nennt: an jedem ersten Montag im Monat findet im Schleiermacherhaus, Taubenstraße 3, etwas Schönes und Interessantes statt: oft Kammermusik, manchmal Lesungen, Politik wird besprochen und Theologie. Die Gemeinde öffnet ihr Haus der Stadt, der Öffentlichkeit. Sie nimmt damit das Erbe auf, das ihr berühmter Pfarrer, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834) ihr hinterlassen hat. Als junger Mann hat er selbst sich an den Salons in der nahen Jägerstraße beteiligt und von ihnen profitiert; und Zeit seines Lebens hat er an der Überwindung der Kluft zwischen Kirche und Gesellschaft, Kirche und Kultur gearbeitet.

2018 ist sein 250. Geburtstag. Die Gemeinde ehrt Schleiermacher mit einer Reihe von Abenden zu "Berliner Theologen von Schleiermacher bis Marquardt". Seit Schleiermacher wurde in Berlin Theologie nicht nur für Theologen betrieben, sondern auch für Nichttheologen, die entstehende Öffentlichkeit. Sie reagierte auf die geistige, die materielle und die politische Situation. Die Reihe von Portraits wird ergänzt durch drei thematische Beiträge: Schleiermacher und die Juden - damit beginnt die Reihe: da wird gleich deutlich werden, dass wir uns dies Gedenkjahr nicht als unkritische Jubelveranstaltung denken; zudem nehmen wir zwei weitere Jahrestage zum Anlass, Schleiermacher mit zwei anderen großen Denkern ins Gespräch zu bringen, die wie er auf Praxis zielten: im Mai den 200. Geburtstag von Karl Marx, im Dezember den 50. Todestag von Karl Barth.

8. Januar Schleiermacher und die Juden, Prof. Micha Brumlik
Als junger Mann war Schleiermacher lebhafter Teilnehmer der Salons jüdischer Frauen; später der frauen- und judenfeindlichen Deutschen Tischgesellschaft. Und als Theologe hat er das Judentum geradezu mumifiziert, konnte auch mit dem Alten Testament nichts anfangen.  

5. Februar Adolf Harnack (1851-1930), Prof. Christoph Markschies
Ein großer Historiker, ein glänzender Schriftsteller – seine Vorlesungen über „Das Wesen des Christentums“ hörten nicht nur Studenten aller Fakultäten, sondern Bürger der ganzen Stadt.  

5. März Leo Baeck (1873-1956), Prof. Bertold Klappert
Sein „Wesen des Judentums“ war nicht nur, aber auch Antwort auf Harnack. Und Baeck wurde nicht nur Vater des Reformjudentums, sondern auch Stimme aller deutschen Juden in finsterster Zeit.  

2. April Paul Tillich (1886-1965), Dr. Lorenz Wilkens
Nicht viele Jahre war er in Berlin, aber prägende – prägend auch gesellschaftlich, politisch, vor allem im Blick auf seine „sozialistische Entscheidung.“    

7. Mai Schleiermacher und Marx, Prof. Dick Boer
Entpuppt sich Schleiermacher im posthumen Gespräch mit Karl Marx als Theologe der Revolution, wenn auch einer gescheiterten?  

4. Juni Elisabeth Schmitz (1893-1977), Angelika Obert
Eine hellwache Zeitgenossin, die versucht hat, mit einer theologischen Denkschrift die Bekennende Kirche zum Engagement für die Juden zu bewegen, nicht nur für die christlich getauften, auch für die jüdischen.
 

2. Juli Heinrich Vogel (1902-1989), Christian Keller
„Solidarität mit den Gottlosen“ statt „Jahrhundert der Kirche“, das war einer seiner ersten Kämpfe, dann kam bald der Kirchenkampf gegen Nazi-Christen, nach dem Krieg als Hochschullehrer in Ost- und Westberlin im Kampf gegen Kalten Krieg und Atomwaffen, auch ein erstes Wort der EKD zum Verhältnis zwischen Christen und Juden, 1950, stammt von ihm.  

6. August Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Prof. Andreas Pangritz
Schüler Harnacks und Barths, als junger Theologe kräftig am Kirchenkampf beteiligt, doch da einer der ganz wenigen, die für die Juden kämpften – von seiner Kirche enttäuscht schloss er sich dem konspirativen Widerstand an.  

3. September Helmut Gollwitzer (1908-1993), Dr. Matthias Loerbroks
Eine kräftige Stimme im Kirchenkampf und dann im Kalten Krieg; einer der wenigen Professoren an der Seite der revoltierenden Studenten in den 60er Jahren; Vordenker und Anstoßgeber eines neuen Verhältnisses zwischen Christen und Juden.  

1. Oktober Ernst Lange (1927-1974), Cord Hasselblatt
In der weltweiten Ökumene engagiert, aber auch in Westberlin bemüht, das innerkirchliche Milieu zu öffnen.    

5. November Friedrich-Wilhelm Marquardt (1928-2002), Hanna Lehming
Politische Fragen haben ihm immer theologisch Arbeit gemacht, schon als Studentenpfarrer in Westberlin vor und nach dem Mauerbau, dann als Hochschullehrer an der Freien Universität. Vor allem die Begegnung mit Juden brachte ihn dazu, theologisch neu nachzudenken. So entstand eine ganz neue Dogmatik, eine Glaubenslehre.

3. Dezember Schleiermacher und Barth, Dr. Matthias Gockel
Immer wieder hat Barth sich in seiner Arbeit mit Schleiermacher beschäftigt, hat ihn bewundert, aber auch kräftig kritisiert. Dies Gespräch zwischen dem „Kirchenvater des 19. Jahrhunderts“ und dem wichtigsten Theologen des 20. ist auch für uns im 21. lehr- und hilfreich.

Letzte Änderung am: 08.05.2018