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#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst

Die ökumenisch verantwortete Kampagne macht aus christlicher Perspektive die einzigartige Beziehung zwischen Judentum und Christentum bewusst

 

Pfingsten beziehungsweise Schawuot
Alle vier Evangelien sind sich darin einig: der Tod und die Auferweckung Jesu haben zu tun mit dem Pessachfest, an dem Israel seine Befreiung aus der Sklaverei erinnert und feiert. Ob das letzte Essen und Trinken Jesu mit seinen Jüngern ein Pessachmahl, ein Sederabend war – so Matthäus, Markus, Lukas – oder ob erst der Tod Jesu am Kreuz zu der Stunde geschieht, in der die Pessachlämmer geschlachtet werden – so Johannes –, der Zusammenhang zwischen der Jesusgeschichte und dieser Befreiungsgeschichte ist nicht bloß zeitlich, sondern auch inhaltlich gemeint. Der Gott, der Israel aus der Sklaverei herausführte mit starker Hand und ausgerecktem Arm ist es, der Jesus von den Toten erweckte – und auch dieses Ereignis ist eine Befreiungstat: vom Sklavenhalterregime des Todes.

Der Gott Israels hatte sein Volk nach der Befreiung nicht sich selbst und seiner Wege überlassen. Er hält es nicht für klüger oder politisch begabter als andere Völker. Es bedarf der Weisung und Unterweisung, der Lehre und des Lernens, um nicht in neue Sklaverei zu geraten. Sieben Wochen, fünfzig Tage nach der Befreiung gelangt das Volk zum Sinai und erlebt dort eine eindrucksvolle Erscheinung: Lärm und Getöse, Beben, Feuer und Rauch. Gott ist erschienen, um seinem Volk seine Worte anzuvertrauen. Und so feiert Israel fünfzig Tage nach dem Pessachfest wieder ein Fest: Schawuot, das Wochenfest, feiert diese Erscheinung am Sinai – nach sieben Wochen, in denen die Entbehrungen der Wüstenwanderung nacherlebt werden.
Als einziger der vier Evangelisten folgt Lukas auch darin dem jüdischen Kalender, er verbindet das Kommen des Geistes mit Schawuot. Das Feuer, das da auf den Köpfen der Jünger züngelt, ist das Feuer vom Sinai. Und diese Feuerzungen befeuern nun auch die Zungen der Jünger, machen sie dazu fähig, in fremde Zungen, in die Sprachen aller Völker zu übersetzen, was sie von Gott mitgekriegt haben. Dazu ist Jesus gekommen, gestorben und auferstanden: dass der Segen Abrahams unter die Völker kommt. Die Pfingstgeschichte des Lukas erinnert uns jedes Jahr daran: die ökumenische Bewegung, das Engagement der Christen in der Völkerwelt, in allen Sprachen und Zungen, verliert ihr Feuer, wird geistlos, wenn sie ihre Bindung an Gottes Volk Israel verliert.
Zu Schawuot wird die Geschichte von Ruth gelesen: Eine Nichtjüdin will sich partout nicht von ihrer jüdischen Schwiegermutter trennen und wird so nicht nur zur Urahnin des Messias, sondern auch zum Urbild der Christen aus den Völkern: Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott, nur der Tod wird scheiden zwischen mir und dir.


Matthias Loerbroks

 

Veranstaltungen

https://www.ekbo.de/wir/interreligioeser-dialog/beziehungsweise.html

#beziehungsweise
"#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst" setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, der auch christliche Wurzeln hat, und regt an, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum zu erkunden. In respektvoller christlicher Bezugnahme auf das vielfältige und reiche jüdische Leben will die Kampagne mit Plakaten und Veranstaltungen dem Antisemitismus begegnen. #beziehungsweise versteht sich auch als ein Beitrag zum Festjahr 2021: „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“.

Das Stichwort „beziehungsweise“ betont die Geschwisterlichkeit beider Religionen, ohne das Judentum fürs Christentum vereinnahmen zu wollen. Die unterschiedlichen Traditionen kommen auf je ihre Weise zu Wort. Dabei ist es unverzichtbar, den Bezugnahmen auf das Judentum in christlichen Kontexten auch mit Blick auf antijudaistische Bezüge kritisch zu befragen.

Auf www.juedisch-beziehungsweise-c... finden sich jüdische und christliche Beiträge zu verschiedenen Themen, die für Gemeindebriefe oder Informationsveranstaltungen ebenso wie für den Unterricht geeignet sind.

Entstanden aus einer Initiative in der EKBO hat sich die Kampagne zu einem deutschlandweiten ökumenischen Projekt entwickelt, das von vielen evangelischen Landeskirchen und römisch-katholischen (Erz-)Bistümern und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) aufgenommen und unterstützt wird. Die ökumenische Kampagne ist in unserer Region getragen von der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), dem Erzbistum Berlin, dem Diözesanrat Berlin, der Evangelischen Schulstiftung, der Berliner Stadtmission, dem Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (ÖRBB) und den Gesellschaften für Jüdisch-Christliche Zusammenarbeit Berlin und Potsdam. (ekbo.de)