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"Der Duft der Phantasie" – Glaube in Zeiten ohne Duft

Eine kurze Selbstvorstellung von Pfarrer Dr. Alexander Arno Heck anlässlich der Präsentation auf die (1.) Pfarrstelle der Ev. Kirchengemeinde Friedrichstadt

Neben freudiger Verkündigung, Humor, Tatkraft und weiteren erwünschten Geschicklichkeiten war es der Begriff „Phantasie“ in der Stellenausschreibung, der gleichsam meine Phantasie beflügelte. Gibt es in der Gemeinde schließlich einen festen Ort, ein Haus nämlich, dessen Namensgeber diesem Begriff einst Programm verlieh: Friedrich Schleiermacher. Für ihn ist Religion keine reine Kopfsache oder bloß Moral, sondern „Anschauung und Gefühl“, die „zarteste Blume der Phantasie“.
Der Glaube nimmt die Erfahrungen von Menschen ernst. Will sie offenhalten für die Unendlichkeit. Also dafür, dass es mehr gibt als das bloß Sichtbare und Erwartbare im Leben. Etwas, was mich in Staunen versetzt, verweilen lässt oder mich wie ein unsichtbares Netz liebevoll trägt. Um das erkennen zu können, braucht es Mut und Phantasie. „Mit eigenen Augen soll dann jeder sehen und selbst einen Beitrag zu Tage fördern zu den Schätzen der Religion.“ Schleiermacher geht es im Glauben also um die Befähigung von Menschen.
Ein derart phantasievoller Glaube duftet. Wie eine zarte Blume. Und diesen Duft gilt es in der Nase zu behalten, weil wir in einer Zeit ohne Duft leben. So der Kulturphilosoph Byung-Chul Han. Unsere Zeit gerät aus dem Takt. Es fehlen Rituale. Alles beschleunigt sich. Gerät in nervöse Unruhe. Bis in unseren Alltag hinein. Viele schwirren richtungslos von Event zu Event. Die eigene Zeit verflacht zu einer Abfolge von Zeitpunkten. Immer seltener verweilt man. Hält inne. So verliert die Zeit ihren Duft. „Keine dufte Zeit“, würde wohl der Berliner sagen.
Einer derart duftlos empfundenen Zeit will die Religion als „zarteste Blume der Phantasie“ wieder Duft verleihen. Und daran knüpft meine Phantasie an. Zusammen mit anderen Menschen in der Gemeinde will ich unseren christlichen Glauben zum Duften bringen – fröhlich, mutig und mit viel Phantasie. Und das mitten in der Stadt. Haben es dort Blumen eher schwer. Und die Zeit wird gerade dort leicht ihres Duftes beraubt. Darum braucht es in besonderer Weise „dufter Räume“ der Begegnung, der Bildung, der Einkehr und der Gottesdienste.
„Dufte Räume“ sind für mich schöne Räume. Nicht nur innerlich. Hell und einladend sind sie. Aufgeräumt. Sinnlich. Laden zum Verweilen ein. Zur Begegnung mit anderen und mit Gott als dem ganz Anderen. Und wie Duft einen Raum füllt, sind sie angefüllt mit Dankbarkeit, Willkommen, Anerkennung und Wertschätzung. Mit diesem Duft in der Nase können Menschen befähigt werden, „mit eigenen Augen die Schätze der Religion“ für ihr Leben zu entdecken. Daran mitzuwirken und solche duften Räume zu gestalten, ist mir ein ganz besonderes Anliegen.
Darum habe ich Evangelische Theologie, Soziologie und Politikwissenschaften studiert. Viele Jahre war ich Dozent für theologische Ethik an der Universität Münster, dann Lektor und Verleger in Wissenschaftsverlagen und Berater in einer Unternehmensberatung in Hamburg. Seit 2011 bin ich im Pfarrdienst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, zwei Jahre im Entsendungsdienst in Perleberg (Prignitz) und seit 2013 Pfarrer in der Ev. Stephanus-Kirchengemeinde Berlin-Zehlendorf.
Ich freue mich, wenn mich mein Weg weiterführt. In die Mitte der Stadt. In Ihre Gemeinde, die ihrerseits auf dem Weg ist. Gemeinsam möchte ich diesen Weg mit Ihnen gehen. Behutsam gilt es, dabei manches zu bewahren, anderes will mutig ausprobiert werden, und mit viel Phantasie setzen wir gemeinsam „Duftmarken“ in der City. Ich bin sehr dankbar, mich Ihnen am Sonntag, dem 13. Juni, um 11 Uhr in einem Gottesdienst in/vor der St. Matthäus-Kirche auf dem Kulturforum präsentieren zu dürfen.


Dankbar und Gott befohlen,
Ihr Alexander Arno Heck

Letzte Änderung am: 24.04.2021